Passiv, aber voll aktiv

Passiv, aber voll aktiv

Ein Passivhaus ist wohl das umweltschonendste und sparsamste Gebäude in Betrieb und Erhaltung: sowohl rein ressourcen-technisch und von den CO2-Emissionen her als auch von der tatsächlichen Effizienz bei der Energiegewinnung. Allerdings sind derartige Projekte in der Planungs- und Bauphase zumeist kostenintensiver, bieten weniger gestalterische Freiheit und verlangen von den Bewohnern ein gehöriges Maß an Disziplin.

Wir haben bereits über verschiedene Haustypen gesprochen und danach zwei Konzepte ausführlicher vorgestellt, die besonders nachhaltig sind: das Sonnenhaus und das e4-Ziegelhaus. Auffallend dabei sind stets ein niedriger Energieverbrauch, ein geringer CO2-Ausstoß und der Einsatz erneuerbare Energieträger. Zudem wird durch entsprechende bauliche Maßnahmen ein Heizwärmebedarf von weniger als 45 Kilowattstunden pro Quadratmeter Fläche – kWh/(m²a) – erreicht. Das entspricht dem gesetzlich geregelten Standard eines Niedrigenergiehauses. Unter 30 kWh/(m²a) ist dann die Rede von einem Niedrigstenergiehaus und unter 15 kWh/(m²a) eben von einem Passivhaus.

 

Über das Technische eines Passivhauses

Damit ein Wohngebäude als Passivhaus gilt, muss also folgendes Kriterium erfüllt sein, wie man auf der Website von Passivhaus Austria im Wortlaut schreibt: „Ein behagliches Innenklima ist ohne separates Heizsystem und ohne Klimaanlage erreichbar: Dazu darf der Jahresheizwärmebedarf nach Passivhaus Projektierungs-Paket (PHPP) max. 15 kWh/(m²a) sein.“ Allerdings kommen zu dieser noch zwei zusätzliche bindende Regelungen: Eine davon betrifft die sogenannten Behaglichkeitskriterien in jedem Wohnraum im Winter wie im Sommer, die exakt festgelegt sind. Und eine weitere den spezifischen Primärenergieeinsatz, „der für alle Haushaltsanwendungen (Heizung, Warmwasserbereitung und Haushaltsstrom) zusammen nicht höher als 120 kWh/(m²a)“ sein darf, so Passivhaus Austria.

Klingt alles kompliziert, ist es durchaus auch. Daher empfiehlt es sich, schon ab der Vorplanungsphase mit Experten zusammenzuarbeiten. Denn je genauer ein Passivhaus konzipiert wird, desto mehr individuelle Wünsche kann man einbringen und desto größer ist in Summe dann die Wohnqualität. So ist es z. B. zwingend erforderlich, dass ein Passivhaus nach Süden ausgerichtet ist, damit man über die Fenster genug solare Energie gewinnen kann.

 

Über den Ziegel als großen Helfer

Um den erwähnten Heizwärmebedarf nicht zu überschreiten, ist eine luftdichte Bauweise unbedingt vonnöten. Das gelingt besonders optimal mithilfe von einseitig verputzten Wänden aus Ziegelmauerwerk, denn bei professioneller Ausführung werden hiermit die höchsten Standards erlangt. Gemessen wird die Luftdichtheit des Gebäudes übrigens mithilfe des Blower-Door-Tests, der auch als Differenzdruck-Messverfahren bekannt ist. Damit werden Lecks in der Gebäudehülle aufgezeigt und die effektive Luftwechselrate ermittelt. Im Fachjargon von Passivhaus Austria lautet dies folgendermaßen: „Die Leckage durch unkontrollierte Fugen muss beim Test mit Unter-/ Überdruck von 50 Pascal kleiner als 0,6 Hausvolumen pro Stunde sein.“

Zum Glück gibt es für derartige Feinheiten absolute Profis, auf die man als Häuslbauer vertrauen kann. Das gilt auch für die Dämmung der Gebäudehülle, damit der exakt vorgegebene Wärmedurchgangskoeffizient eingehalten wird. Dieser wird als U-Wert bezeichnet und darf maximal 0,15 W/(m²K) betragen – was diese Mess-Einheit bedeutet, wird auf zuhause3.de so erklärt. „Er gibt an, wieviel Wärme (in Watt W) pro Quadratmeter Fläche (m²) je Grad Temperaturdifferenz (in Kelvin K) zwischen Innen und Außen durch ein Bauteil fließen.“ Für die Fenster gibt es ebenfalls genaue Richtlinien.

 

Über die Qualität des Lüftens

Wie Sie sehen, verlangt die Komplexität eines Passivhaus-Projekts viel Aufmerksam- und Achtsamkeit – insbesondere auch bei der Nutzung des fertigen Eigenheims. So ist etwa viel Disziplin beim Lüften der Fenster gefragt. Grund ist, dass man komplett auf ein Haupt-Heizsystem verzichten will und daher eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung unbedingt notwendig ist. Um den restlichen Heizenergiebedarf zu decken, kommen verschiedene Formen von Wärmepumpen zum Einsatz: Luft/Wasser, Boden/Wasser oder Wasser/Wasser.

Lufthygiene ist sowieso ein großes Thema: So darf die Temperatur der Zuluft im Raum nicht weniger als 17 Grad Celsius betragen. Zudem geht es auch um Lüftungseffizienz, also dass alle Räume gleichmäßig durchströmt werden. Daher muss in jedem Wohnraum zumindest eine Außenluftöffnung vorhanden sein. Zu all dem hat Passivhaus Austria einmal mehr die technischen Details: „Die Komfortlüftung mit der hochwirksamen Wärmerückgewinnung bewirkt in erster Linie eine gute Raumluftqualität – in zweiter Linie dient sie der Energieeinsparung. Im Passivhaus werden mindestens 75 % der Wärme aus der Abluft über einen Wärmeübertrager der Frischluft wieder zugeführt.“

 

Über die Freiheit von Wärmebrücken

Bei einem Passivhaus muss ebenso nachgewiesen werden, dass wirklich alle Bauteilanschlüsse wärmebrückenfrei sind. Das heißt laut Passivhaus Austria, dass „alle Kanten, Ecken, Anschlüsse und Durchdringungen besonders sorgfältig geplant und ausgeführt werden müssen, um Wärmebrücken zu vermeiden. Wärmebrücken, die nicht vermieden werden können, müssen soweit wie möglich minimiert werden.“

All diese erwähnten Besonderheiten eines Passivhauses – und ein paar weitere mehr – führen logischerweise zu höheren Kosten in der gesamten Bauphase. Dafür hat man dann beim Leben in einem solchen Zuhause die Garantie, dass man einen bedeutenden Beitrag zu weniger CO2-Emissionen und mehr Klimaschutz leistet.

 

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